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Dokumentiert: Tagesordnung und Anträge zur StuPa-Sitzung am 28.04.2011

28. April 2011

Vom bisherigen Präsidium des Studierendenparlaments – Severin Pabsch, Florian Steen und Katja Weiden – wird für die Sitzung des Studierendenparlaments die folgende Tagesordnung vorgeschlagen:

TEIL A

  • TOP 0 Formalia
  • 1. Geschäftsbericht Präsidium
  • 2. Anfragen an das Präsidium
  • 3. Bericht der Vorsitzenden des Ältestenrats
  • 4. Geschäftsbericht AStA
  • 5. Anfragen an den AStA
  • 6. Dringlichkeitsanträge des AStA
  • 7. Aktuelle Stunde (falls entsprechender Antrag vorliegt)
  • 8. Feststellung der endgültigen Fassung des Teils B der Tagesordnung (2 Vorschläge, alternativ abzustimmen)
  • 9. Feststellung der Beschlussfähigkeit
  • 10. Genehmigung der Protokolle der vorangegangenen Sitzungen

TEIL B

Gastbeitrag: Inside AStA? – Outside Academia! (Offener Brief an den kommissarischen AStA)

17. Februar 2011

An den
Allgemeinen Studierendenausschuss
der Universität Hamburg
Von-Melle-Park 5
20146 Hamburg

Hamburg, 16.02.2011

Inside AStA? – Outside Academia!

Dieser offene Brief richtet sich vor allem an Timo Hempel, den »Sonderbeauftragten für (Leit-)Kultur« des AStA, sowie an alle – nunmehr nur noch kommissarisch agierenden –Vertreter_innen des AStA UHH, die sich nicht von den Inhalten und den impliziten Intentionen des AStA-Werbefilms „Inside AStA“ distanzieren mögen

Der so genannte Imagefilm „Inside AStA“ hat für »Aufsehen« gesorgt. Ist „Inside AStA“ wirklich nur ein »lustiger«, aber missverstandener Film oder doch vielmehr eine gezielte Provokation, die es Euch ermöglichen soll, Euch als Widerstandskämpfer_innen gegen eine vermeintlich überzogene »political correctness« zu gerieren? Ist die Diskussion um den Film mit Eurem Einwand, zu einer wichtigen Diskussion um Rassismus beigetragen zu haben, nunmehr beendet?

Der bereits vielfach geäußerten Rassismus- und Sexismuskritik an der Darstellung der »afrikanisierten« Reinigungskräfte möchte ich mich zunächst in vollem Umfange anschließen.¹ Die unreflektierte und verallgemeinernde Repräsentation von Schwarzen als kulturell determinierte Afrikaner_innen ist in jedem Zusammenhang zu hinterfragen, insbesondere ist sie aber vor dem Hintergrund der Gründungsgeschichte der Hamburger Universität als Kolonialinstitut von besonderer Brisanz. Der von Euch skizzierte Konflikt zwischen körperlich arbeitenden Schwarzen und intellektuell tätigen Weißen verlängert den Kolonialdiskurs in den gegenwärtig geführten Diskurs über »kulturgenetische« Überlegenheit à la Sarrazin. Auf diesen Punkt ist Eure Entgegnung bisher nicht eingegangen. Die Verantwortung zur Überwindung von Rassismus obliegt der Gesellschaft, also uns allen. Das Bewusstsein darum, welche Bilder Stereotype produzieren und Machtverhältnisse zementieren kann nicht darauf beschränkt sein, dass sich diejenigen, die von diesen Stereotypen betroffen sind, erst zur Wehr setzen müssen.

Zunächst einmal: Habt Ihr vom AStA eigentlich jemals versucht, Kontakt zum Reinigungspersonal der Universität aufzunehmen oder Euch in die Lage dieser Menschen zu versetzen? Ihr erkennt sie übrigens an ihrer trostlosen Arbeitskleidung, die sie als Angehörige einer unteren Statusgruppe stigmatisiert. In der Zeit, in der ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität tätig war, habe ich mehrmals vergeblich versucht, ihnen gegenüber meine Wertschätzung für ihre Arbeit auszudrücken. Sie scheuten allerdings den Kontakt, versuchten ohnehin möglichst unsichtbar zu bleiben und keinen Anlass für befürchtete Beschwerden zu geben. Wer sich mit struktureller Gewalt auseinandergesetzt hat, versteht, warum sie Euch wohl niemals (obschon verdientermaßen) den Wischmob um die Ohren hauen würden. Sie auf diese Weise zu porträtieren – sie darüber hinaus zu Euren Gegenspielerinnen zu stilisieren – ist nicht mehr als ein widerlicher Tritt nach unten. Es wird in unserer Gesellschaft heutzutage viel über »Leistung« schwadroniert und ich bin überzeugt, Ihr haltet Euch schon jetzt für die »Leistungsträger_innen« dieser Gesellschaft. Aber seid sicher, ohne die Leistungen subordinierter Menschen könntet Ihr Eure weißen, privilegierten Hintern ganz sicher nicht auf die Universitätsbank drücken.

Doch darf die Kritik an dem Film nicht allein auf einen Rassismusvorwurf beschränkt bleiben, denn das Werk zeichnet sich schließlich durch eine Aneinanderreihung von Stereotypen aus. Erst die Auseinandersetzung mit dem gesamten Film sowie der um ihn geführten Diskussion offenbart den normativen Charakter und Euer neoliberales Weltbild. Mit dem »Imagefilm« versucht Ihr nicht zuletzt, die Beschneidung von universitären Freiräumen und die angestrebte Transformation der UHH in eine Elite-Universität zu rechtfertigen.

Nach der missglückten Afro-Bollywoodeinlage des Reinigungspersonals zu Beginn des Films wird das Publikum von dem Schauspieler Karl-Heinz von Hassel, der laut AStA-Ankündigungstext „dem alten Tatort-Ermittler Brinkmann zum Verwechseln ähnlich“ sieht „also spontan unser Vertrauen [erweckt]“,² zu einem Rundgang eingeladen. Dass wir die »Polizei« auf dem Campus wohl nötig haben, zeigt sich alsbald. Zwar vermag die AStA-Beraterin den artikulationsunfähigen »linken Spinner«, der im Info-Café Plakate aufhängen will, mit Herrenmenschenattitüde in seine Schranken zu verweisen. Doch dann kann der Tatort-Kommissar, wenn auch unbeabsichtigt, einen weiteren »Extremisten« aus dem Kopierraum vertreiben. Mit dem Ausruf „Mist, n’ Bulle!“ verlässt dieser fluchtartig die Szene. Seine Flugblätter mit der sinnentleerten Parole „Amis raus aus Brokdorf“ verweisen deutlich auf eine fehlende Berechtigung seiner politischen Arbeit. Die dabei angeschnittenen Themen, Anti-AKW-Protest und Friedensbewegung im Zuge des NATO-Doppelbeschlusses, erscheinen als Relikt vergangener Zeiten und ohne Zweifel nicht mehr opportun.

Aber auch die in der Beratungssituation befindlichen Studierenden scheinen keine ernstzunehmenden Anliegen zu verfolgen. Eine Studentin kritisiert den verpflichtenden Erwerb eines HVV-Semestertickets mit dem von vorne herein vergeblichen Verweis darauf, dass sie nur wenige Minuten von der Universität entfernt wohne und die Fahrkarte deshalb gar nicht benötige. Ein Pärchen trägt seine Beziehungsstreitigkeiten in die Beratung, kann sich weder für den Kulturkurs »Fahrradselbsthilfe« noch »Akt & Porträt« entscheiden. Ein weiteres Pärchen vergnügt sich im AStA-Materialraum. Im Kinderhort sitzen zwei verantwortungslos rauchende Betreuerinnen, das einzige Kind wurde unbeaufsichtigt zum Holen von Memorykarten geschickt. Niemand scheint hier ernsthaft studieren zu wollen und die Universität ist zu einem Hort der Nebensächlichkeiten verkommen. Am Ende des Filmes trifft der versinnbildlichte »Ordnungshüter« schließlich auf zwei junge Studienanfängerinnen aus der »Provinz«, die des Hochdeutschen offensichtlich nicht mächtig sind – als ob in Hamburch akzentfrei Hochdeutsch gesprochen werden würde – und die er dann untergehakt, einem symbolträchtigen Kaffeetrinken zuführt. Noch bevor sie ihr Studium begonnen haben, erreichen sie ihr offensichtliches Ziel: Sich einen distinguierten Herrn zu angeln! Die traditionelle Arbeit des AStA erscheint in dem Film als überflüssig – lediglich der ebenfalls gezeigte Obdachlose kann von ihrem Müll anscheinend noch »profitieren«. Ganz klar, vor diesem Hintergrund kann die eigentliche Arbeit des AStA getrost vernachlässigt werden! Denn wen sollten hier schon Studiengebühren, die Beschneidung von Frei- und Denkräumen, die Untiefen der Studienreform oder gar die ewige Unterfinanzierung der Universität Hamburg interessieren? Deshalb kann eine sinnvolle Arbeit des AStA wohl nur in einer radikalen Abkehr vom politischen Handeln liegen.

Das, wie zur Entschuldigung angeführt wurde, im Film alle Charaktere gleichsam karikiert werden, greift zu kurz. Eine umfassende Kritik an Eurem Film sollte sich dementsprechend nicht nur auf das beschränken, was Ihr vorgeblich »liebevoll« nachzeichnet, sondern auch die offensichtlichen Leerstellen einbeziehen. Euer »Mikrokosmos Universität« besteht ja nicht zufällig nur aus scheinbaren Außenseiter_innen und »Störenfrieden«. Wo bleiben die Karikaturen etwa von rechten Macho-Burschenschaftlern, den neoliberalen Elitekrieger_innen und Karrierist_innen, aber auch des Präsidiums, von Professor_innen und anderem wissenschaftlichem Personal, Dozent_innen oder dem TVP? Warum bleiben privilegierte Personenkreise von Eurer »Liebe« verschont? Gezeigt werden eben lediglich Menschen, von denen sich »ordentliche« Studierende vermeintlich nur belästigt fühlen können und die – so die implizite Botschaft – an der Universität nichts zu suchen hätten oder, wie im Falle der unentbehrlichen Reinigungskräfte, wohl besser unsichtbar blieben.

Mittlerweile lässt sich der Film ohnehin nicht mehr isoliert betrachten. Ist es doch darüber hinaus Euer Umgang mit den kritischen Reaktionen, der Anlass zu weiterer Kritik gibt. Timo Hempels Auftritt bei der Premiere im Abaton-Kino war an Selbstgefälligkeit kaum zu überbieten. Von einem Reflexionsvermögen war bei diesem Medien- und Kommunikations-wissenschaftler nichts zu erkennen (Lernziel verfehlt!). Fragen hat er ignorant übergangen, stattdessen feige eine der schwarzen Darstellerinnen vorgeschoben, als könne diese qua Hautfarbe einen Rassismusvorwurf entkräften. Selbst wenn, bliebe doch eine Klassenarroganz sowie die Verachtung einer gebildeten schwarzen Schauspielerin gegenüber einer vermeintlichen »kulturellen Andersartigkeit« in Betracht zu ziehen.

Die im Abaton von Timo Hempel geäußerte Rechtfertigung, dass es sich bei den Darstellungen des Films um insider-jokes handele, soll wohl bedeuten, dass eine Kritik lediglich von außerhalb der Universität kommen könne – vom »Ausland gesteuert« sozusagen.

Das Ihr anscheinend – inside AStA – hinter verschlossenen Türen über Euch missliebige Personen herzieht, ist schon bezeichnend. Aber Euer Vorhaben, den Film in den Orientierungseinheiten zu zeigen, also einem Publikum präsentiert, welches eben nicht aus Insidern besteht, offenbart vielmehr Eure indoktrinäre Intention.

Dass die bei you tube veröffentlichte Filmaufnahme der Premiere im Abaton von Euch aus »urheberrechtlichen Gründen« zensiert wurde, ist mehr als peinlich – zumal davon nicht nur der Film selbst (Teil 2), sondern auch die Kritiken und die Diskussionen (Teil 1 und 3) davon betroffen waren. Die Begründung, dass die Aufnahmen illegal entstanden sind, erscheint mir fadenscheinig – hättet Ihr sie doch einfach autorisiert, sofern Ihr die darin geäußerten Kritiken nicht fürchtet.

Die auf Eurer Website veröffentlichte Reaktion zu den Vorwürfen zeigt zudem, dass Ihr letztlich wenig von der Kritik verstanden habt, was eben auch mit mangelnder Medienkompetenz zu erklären ist (auch hier Lernziel verfehlt). Ihr mahnt darin einen „zensurfreien Diskurs“ und einen „offenen Dialog ohne vorverurteilende Anschuldigungen“ an und zielt dabei allein auf die Eurer Meinung nach ungerechtfertigte Kritik an dem Film, nicht aber etwa auf Eure Weigerung ihn vor der Premiere dem StuPa zur Verfügung zu stellen, noch auf Eure Zensur der Aufzeichnung im Abaton. Dienen diese Maßnahmen nicht einzig dazu, Kritik zu einer »Vorverurteilung« abstempeln zu können? Das durch die Überspitzung von Vorurteilen der „Film die Absurdität des Gezeigten [kommuniziere] und damit sein differenziertes Gegenteil [beschreibe]“ und Ihr dies durch „filmtheoretische Betrachtung gestützt“ seht, lässt Euch zu dem Schluss kommen, der Film „wurde somit als nicht-rassistisch eingeordnet“ (Seid Ihr die Instanz, die dies abschließend zu beurteilen vermag?). Weiterhin zusammenhangslos und sprachlich unbeholfen reproduziert Ihr dann den Einwurf eines Kommilitonen bei der Premiere indem Ihr schreibt, dass nur die „vorherige Erkenntnis“ Kabarett möglich mache – ich hingegen kann bei Euch noch nicht einmal eine späte Einsicht erkennen. Rassismus einige Zeilen weiter zu einem letztlich subjektiven Phänomen zu erklären und den Betroffenen damit implizit eine »Überempfindlichkeit« zu unterstellen, mag Euch vielleicht trickreich erscheinen, lässt aber die ebenfalls geäußerte Entschuldigung zur Farce verkommen. Dass die Seite mit Eurer Erklärung zwar über einen »Gefällt mir«-Button verfügt, nicht jedoch Gelegenheit bietet, mögliches Missfallen auszudrücken, zeugt überhaupt von einem fragwürdigen Demokratieverständnis.

Die stereotype Behauptung, der Film sei ja bloß eine Satire, vermag einer Kritik nicht ernsthaft entgegen zu treten. Geschenkt: Er sei Satire. Aber jeder Satire, Parodie, Karikatur – wie überhaupt jedweder künstlerischen Äußerung – liegt eine Position, eine Perspektive und ein Interesse zugrunde. Allein die Kritik an Eurem Film undifferenziert als »linksextremistisch« zu diffamieren sagt diesbezüglich schon viel über Eure Positionen und Ziele im AStA der UHH aus. Vor dem Hintergrund der Abschaffung des teilautonomen Frauenreferats wie auch Eurer Solidaritätsverweigerung mit der Initiative Dresden Nazifrei verliert der Film ohnehin eine postulierte »Unschuldigkeit«.

Die von Euch hoch gelobte professionelle Produktion eines Monty Arnold hat Euch nicht mehr und nicht weniger als eine universitäre Neuauflage von »Ups – Die Pannenshow« beschert. Glaubt Ihr wirklich, dass Studierende, die sich von einem Film mit dem Des-informationspotential einer vom beworbenen Produkt entfremdeten Fernsehwerbung angesprochen fühlen, für eine ernsthafte universitätspolitische Arbeit geeignet sind? Solltet Ihr wider Erwarten tatsächlich eine maßgebliche Zahl von Studierenden repräsentieren, so brauchen sich diejenigen, die freie und kritische Wissenschaft aus den Universitäten zugun-sten von stromlinienförmigen Scheuklappen-Studierenden zu verbannen suchen, keine Sorgen zu machen. Die Universität Hamburg zersetzt sich dann von alleine – und zwar von unten. Es geht also nicht allein um das Problem des Rassismus in einem unterbelichteten Film, sondern vielmehr um die Frage, wes Geistes Kind die Universität Hamburg zukünftig sein soll.

Es geht mir auf auch keinen Fall darum, den Film „Inside AStA“ einer Zensur zu unterwerfen oder ihn gar in der Versenkung verschwinden zu lassen – im Gegenteil: Auch wenn ich ihn für die Aufführung in Orientierungseinheiten der Erstsemester für ungeeignet halte, möge er doch zukünftigen Generationen von Studierenden in Politik -, Rassismus-, Gender- oder Film- und Kommunikationswissenschaftsseminaren zur kritischen Auseinandersetzung zur Verfü-gung stehen – selbstverständlich in der ungekürzten Fassung der Premiere im Abaton-Kino!

Armin Hinz (Mesoamerikanist, M.A., Promotionsstudent an der Universität Hamburg)

Mit solidarischer Unterstützung:

Eva Fuchs (Ethnologin, M.A., Promotionsstudentin an der Universität Hamburg)
Martina Kamp (Historikerin, M.A., ehemalige Studentin und Lehrbeauftragte an der Universität Hamburg)
Barbara Kauffmann (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg)
Melani Klaric (Sozialwissenschaftlerin, Promotionsstudentin an der Universität Hamburg)
Ulrike Lingen-Ali (Dipl.-Erziehungswissenschaftlerin, Promotionsstudentin an der CvO Universität Oldenburg)
Ponnammal Moses (Erziehungswissenschaftlerin, M.A., Universität Hamburg)
Markus Poócza (Ethnologe, M.A., ehemaliger Student an der Universität Hamburg)
Negar Taymoorzadeh (Erziehungswissenschaftlerin, Studentin an der Universität Hamburg)

Fußnoten

  1. Eine umfangreiche Dokumentation der Kritiken findet sich auf der Website »StuPa-News« (https://stupanews.wordpress.com/tag/inside-asta/).
  2. http://www.asta-uhh.de/home/home-detail/article/asta-kurzfilm-inside-asta-am-0302-um-1900-uhr-im-abaton-kino.html

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Kommentar: Unfug im Original (Direktkopie des AStA „Image-Film“ aufgetaucht)

16. Februar 2011

Offenkundig ist auch in Reihen des kommissarischen AStA in Sachen „Image Film“ keine gemeinsame Haltung vorhanden: Beim Videodienst Vimeo entdeckten wir soeben eine nicht-abgefilmte Kopie des von uns für scheußlich befundenen Machwerks. Wir dokumentieren diese – im Anspruch der Vollständigkeit unserer Berichterstattung – und nicht, weil wir diesen Unfug mögen. Famos ist die dem Film vorangestellte Erklärung. Dort heißt es – sprachlich und inhaltlich überzeugend:

Dieser satirische Kurzfilm ist bewusst überzeichnend, provokant und karikiert einen kleinen Ausschnitt des AStA Alltags…

Sicherheitskopie:

Dokumentiert: Das Black Students Network, der AStA der Uni Hamburg und 9 Minuten rassistisches Gedankengut – ein kurzer Überblick (Erklärung BSN)

16. Februar 2011

Im Laufe des letzten Semesters hat der AStA (Allgemeiner Studierenden Ausschuss) der Universität Hamburg anscheinend plötzlich das Gefühl gehabt, dass er und seine Aufgaben bei den Studierenden nicht bekannt genug seien. Es wurde also kurzerhand beschlossen einen Imagefilm über sich zu drehen. Dieser sollte dann stolz auf einer Filmpremiere präsentiert werden und in den kommenden Semestern Teil der Einführungswoche für alle Erstsemester-Studierenden werden – zu Informationszwecken.

Soweit ist nichts auszusetzen.

Als dann jedoch vor der Premiere erste Pressemitteilungen herauskamen, wurde man mit folgenem Eingangstext konfrontiert:

„Der Morgen dämmert über dem Hamburger Univiertel – seine Bewohner schlafen natürlich noch. Nur im prächtigen Kuppelsaal des historischen Hauptgebäudes regt sich was: farbenprächtig gewandete afrikanische Reinigungskräfte gehen gospelnd ihrer Arbeit nach – und wehren sich dabei routiniert gegen den Versuch einiger Kommilitonen, ihre Flyer auf der soeben gewischten Bestuhlung auszulegen.“

Passend dazu wurden auch Bilder aus dem Film vorveröffentlicht, welche wütende Schwarze Frauen in Gewändern und mit Putzuntensilien zeigten, die den flüchtenden, weißen AStA-Mitarbeitern hinterher rennen. Außerdem wurden Stimmen laut, die davon sprachen, dass der 9 minütige Film Kosten in Höhe von 10.000€ verursacht hat, die aus den Semesterbeiträgen der Studierenden bezahlt wurden.

Wie kann man diesen (überteuerten) Film vor der Premiere mit so rassistischen und sexistischen Stereotypen bewerben?

Die studentische Vereinigung Black Students Network (BSN) sah sich zum Handeln gezwungen. Es wurden Flyer gedruckt und vor der Premiere am 03.02. im Abaton an die Gäste verteilt. Weitere kritische Organisationen meldeten sich ebenfalls mit guten Beiträgen zu Wort. Einige BSN-Mitglieder haben sich auch entschlossen den gesamten Film anzugucken (der Eintritt war frei), um sich einen besseren Eindruck machen zu können. Bevor der Film allerdings losging haben wir und andere studentische Organisationen die Bühne genutzt, um klarzustellen, dass wir das Handeln des AStA nicht hinnehmen werden, siehe Mitschnitt.

Der Film selber (hier der Mitschnitt) war eine Beleidigung und ein Schlag ins Gesicht jedes/r Schwarzen Studierenden. Einleitende Bilder vom Hamburger Hafen und dem Kuppelgebäude der Uni (ehem. Kolonialinstitut), unterlegt mit Gospelmusik der Schwarzen Putzfrauen deuten auf Phantasien von white Supremacy und Kolonialromantik der Verantwortlichen hin. Die Schwarzen Frauen werden im Film u.a. als „folkloristische Urgewalten“ bezeichnet.

Der Film ist in absolut unnachvollziehbarem Maße rassistisch!

Nach lautstarken Protesten der Zuschauer vor, während und nach dem Film war der Verantwortliche (Sonderbeauftragte für Kultur) Timo Hempel sich trotzdem keines Fehlers bewusst („die Farbigen sind humoristisch überzeichnet worden“) und hat alle Vorwürfe des Rasissmus als subjektive und zu empfindliche Meinung abgeblockt. Das BSN, sowie andere empörte Zuschauer haben mit ihrer Argumentation zwar Beifall des Publikums erhalten, sind aber bei den Verantwortlichen auf taube Ohren gestoßen. Diese Ignoranz wurde nochmals verdeutlicht, als die AStA eine Stellungnahme auf der eigenen Homepage veröffentlichte, bei der sie die Vorwürfe als haltlos darstellt. Absolut unvorstellbar auch das Beharren des AStA darauf, diese 9 minütige Tortur weiterhin allen Erstsemester-Studierenden zeigen zu wollen – welches Bild von der Uni Hamburg soll den damit vermittelt werden?

Argumentationslosigkeit und Ignoranz auf ganzer Linie

Nach der Premiere hat sich der Widerstand, entgegen der Erwartungen des AStA, nicht in Luft aufgelöst. Das Black Students Network und andere Gruppen fingen an sich zu koordinieren und die nächsten Schritte zu planen. So verfasste das BSN einen öffentlichen Brief an den Verantwortlichen für Drehbuch und Regie, Monty Arnold – welcher bis heute unbeantwortet blieb. Außerdem sind auch Medien auf den Konflikt aufmerksam geworden. So berichteten neben dem Hamburger Abendblatt und der MOPO auch die TAZ über den Film.

Widerstand wurde und wird weiterhin geleistet!

Der AStA hat deutlich gemacht, dass er auf die Schwarzen Studierender schei** und kein Interesse hat den Konflikt zu lösen (kein einziges Schreiben der verschiedenen Organisationen an den AStA wurde beantwortet). BSN wird zu diesem Thema weiter Öffentlichkeitsarbeit betrieben, so wird beispielsweise am 20.02. ein Interview  auf dem freien Sender Anti(Ra)²dio zu hören sein. Desweiteren sind Infoveranstaltungen und Podiumsdiskussionen zum Fillm und zum Thema Rassismus an der Uni in Planung.

Fazit: Ein Studium schützt vor Rassismus nicht…

Quelle: BSN Hamburg

Dokumentiert: Brief an Monty Arnold (BSN, AG Queer Studies HH, FSB, GEW Studis u.A.)

15. Februar 2011

BSN veröffentlicht Schreiben an Monty Arnold, verantwortlich für Regie und Drehbuch des Films „Inside AStA“

Guten Tag Herr Arnold,

sicher haben Sie mitbekommen, dass ihr Kurzfilm „Inside AStA“ (um es milde zu formulieren) Kontroversen ausgelöst hat. Wir, das Black Students Network, sowie viele andere studentische und außerstudentische Organisationen* haben den Film bereits vor der Premiere scharf kritisiert. Der Eingangstext und die vorveröffentlichten Bilder ließen bereits vermuten, dass der Film mit einer unverantwortlichen Reproduktion von rassistischen und sexistischen Stereotypen arbeitet. Als wir dann bei der Premiere am 03.02. die Chance hatten uns das Gesamtwerk anzusehen, wurden unsere Befürchtungen leider nicht nur bestätigt, sondern um ein vielfaches übertroffen! Die gesamten 9 Minuten sind gefüllt von plumpem Rassismen und anderen Formen der Diskriminierung. Als wir den AStA (in Person von Timo Hempel und anderen Mitverantwortlichen) nach der Premiere zur Rede stellen wollten, stieß unsere Kritik auf Ignoranz und argumentationslose Ablehnung.

Nun möchten wir Sie, als Verantwortlicher für Drehbuch und Regie, auffordern zu der geäußerten Kritik Stellung zu beziehen und den Film zu erklären. Darüber hinaus, möchten wir Sie einladen an einer Diskussionsrunde teilzunehmen, in der beide Seiten Raum finden sollen, Ihre Meinungen und Argumentationen darzulegen. Über Ort und Zeit wird bei Bereitschaft ihrerseits entschieden. Wir freuen uns auf schnelle Rückmeldung!

Mit freundlichen Grüßen,

Black Students Network

*UnterstützerInnen: AG Queer Studies HH, Fachschaftsbündnis (FSB), GEW Studis, uvm.

PS: Dieser Schriftwechsel wird von mir öffentlich geführt. Mein Schreiben sowie Ihre Antwort werde ich zu Zwecken der Dokumentation und Aufklärung veröffentlichen.

Quelle: BSN Hamburg

Dokumentiert: Tanzende Putzfrauen (Pressebericht)

14. Februar 2011

Der neue Imagefilm des Hamburger Uni-Asta verärgert studentische Hochschulgruppen. Sie werfen dem Film „Rassismus“ und „Sexismus“ vor

VON LEA BAUMEYER

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Universität hat Ärger mit studentischen Hochschulgruppen. Anlass ist ein neuer Imagefilm, der den Asta bei den Studierenden, die er ja eigentlich vertritt, bekannter machen sollte.

„Der Film reproduziert rassistische Muster“, sagt Ralph Henke von der Hochschulgruppe Black Students Network. Er fordert eine offizielle Entschuldigung sowie den sofortiger Rücktritt des Asta-Kulturbeauftragten Timo Hempel, der für den Film verantwortlich ist.
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Der Imagefilm, Titel: „Inside Asta“, beginnt mit der Einblendung des Kuppelsaals der Universität. Es ist früh am Morgen, man hört Gospelmusik. Scheinbar sind um diese Zeit nur schwarze Putzfrauen in, wie es im Film heißt, „folkloristischer“ Kleidung an der Uni.

Singend und tanzend beginnen sie ihre Arbeit, als Mitarbeiter des Asta den Hörsaal betreten. Sie legen Flyer aus, gegen den Widerstand der energischen Putzfrauen. „Die tapferen Asta-Mitarbeiter lassen sich auch von den Werktätigen nicht aufhalten“, heißt es im offenbar lustig gemeinten Film.

Kommentiert wird das Geschehen von dem Schauspieler Karl-Heinz Hassel, der die Zuschauer über den Campus führt. In einer Szene wird ein Obdachloser gezeigt, der in einer Mülltonne wühlt. Am Ende wird Hassel von zwei Schweizer Studentinnen angehimmelt („Das ist doch der Kommissar“). Sie haken sich bei ihm ein, und sie gehen in ein Café.

„Der Film hat keinen Informationsgehalt“, sagt Henke vom Black Students Network. Ihn stört vor allem die Darstellung der Putzfrauen: „Die Putzfrauen sind schwarz, primitiv und haben Tücher um den Kopf gewickelt, die Asta Mitarbeiter werden im Film als gut gekleidet, fleißig und gebildet dargestellt.“

„Der Asta hat eigentlich die Funktion politisch verantwortungsbewusst zu handeln“, sagt Do. Gerbig von der Hochschulgruppe AG Queer Studies. Diese Aufgabe sei „leider weit verfehlt“ worden. Außer der Szene mit den Putzfrauen kritisiert sie die „sexistische Darstellungsweise von Frauen“ und „die Stereotypisierung von Obdachlosen“. Die Inszenierung von sozial schlechter gestellten Gruppen zeige, was für eine Gesinnung im Asta herrsche.

Der Asta-Sonderbeauftragte für Kultur, Timo Hempel, weist die Vorwürfe zurück. Bei dem Film handele es sich eindeutig um Satire. „Die Klischees sind mit voller Absicht gesetzt worden, der Film ist nicht ernst gemeint, selbst der Asta wird auf die Schippe genommen“, so Hempel. „Wenn Vorurteile klar erkenntlich überspitzt und sterilisiert dargestellt werden, kommuniziert der Film die Absurdität des Gezeigten und beschreibt damit sein differenziertes Gegenteil.“

Wieviel der Imagefilm gekostet hat, ist nicht bekannt – dabei ist der Asta verpflichtet, die Höhe der Fördermittel offenzulegen. Die SDS-Hochschulgruppe schätzt die Summe auf 10.000 Euro.

Der Asta hat die Videos im Internet sperren lassen, auf denen die Premiere des Kurzfilms im Altonaer Theater zu sehen ist – die Vorführung wurde von zahlreichen Zwischenrufen und lautstarken Kommentaren begleitet. In Kürze soll der Film aber auf der Homepage des Asta veröffentlicht werden.

Trotz der Kritik aus den Hochschulgruppen hält der Asta an seinem Plan fest, den Imagefilm künftig Erstsemestern vorzuführen. „Viele Studierende wissen ja gar nicht, was der Asta macht“, sagt der Kulturbeauftragte Hempel. „Diesen Zustand wollen wir ändern.“

Quelle: taz Hamburg, 13.02.2011

Dokumentiert: Rassismus “Inside AStA” (Bericht auf dem bundesweiten Blog der Jusos in der SPD)

9. Februar 2011

von Ralf Höschele

An der Uni Hamburg wird der AStA seit Jahren von einer Koalition aus Juso-Hochschulgruppe, Liberale Hochschulgruppe und wohl eher unpolitischen Fachschaftslisten gestellt. Hohe Wellen der Empörung hat nun der neue AStA-Image-Film „Inside AStA“ ausgelöst. Schon alleine die Tatsache, dass ein AStA aus den Beiträgen der Studierenden für sich einen teuren Werbefilm drehen lässt, ist verwunderlich. Doch schlimmer ist der Inhalt des Films: Er ist voll mit plumpen rassistischen und sexistischen Stereotypen. In der Ankündigung des AStA wird der Filmanfang so beschrieben: Weiterlesen …