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Dokumentiert: Uni will sich nicht teilen (Pressebericht)

22. Mai 2010

taz vom 21. Mai 2010:

Akademischer Senat votiert für Uni-Verbleib am Grindel. Die Senatorin ist beleidigt. Eimsbüttels Bezirksamtschef bringt als neue Option das CCH ins Spiel.

VON KAIJA KUTTER

Den Sieg heimste der Bezirksamtsleiter ein: Eimsbüttels Verwaltungschef Torsten Sevecke und Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) warben am Donnerstag Abend vor dem Akademischen Senat der Universität (AS) für ihre jeweiligen Vorstellungen, was die bauliche Zukunft der Hochschule angeht. Nachdem beide den Saal verlassen hatten, stimmte das 19-köpfige Gremium einstimmig für den kompletten Verbleib am Standort Eimsbüttel. Auch ein Teilumzug wurde abgelehnt: Er gefährde „interdisziplinäre Zusammenhänge“.

Vergeblich warb die Senatorin darum, mit der Abstimmung zu warten, bis der schwarz-grüne Senat seine Vorschläge offen gelegt habe; das solle „noch im Frühling“ geschehen. Zuvor hatte Gundelach erstmals offiziell erklärt, dass kein Komplett-Umzug der Uni mehr geplant sei. In etwa zehn Minuten Entfernung habe man aber einen neuen Standort für einen Teilumzug aufgetan. Den AS überzeugte das offenbar nicht – kommt man doch in dieser Zeit kaum vom Hauptgebäude zum Geomatikum an der Bundesstraße.
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Nach der Abstimmung bedauerte Gundelach, dass der AS nun eine Vorfestlegung getroffen habe: „Dies entspricht nicht den Gepflogenheiten einer akademischen Auseinandersetzung und ist einer Universität nicht würdig“, befand sie.

Seit inzwischen zwei Jahren schwebt die Debatte über verschiedene Umzugsszenarien in der Stadt – Zeit, die verloren ging, um kurzfristige Bauvorhaben umzusetzen. Vorhaben, wie Bezirksleiter Sevecke sie vorschlägt oder unlängst auch die SPD (siehe Kasten).

Bauen am Grindel
Ein Erweiterungskonzept für die Uni am Standort Eimsbüttel hat Anfang Mai auch die SPD gemeinsam mit den früheren Uni-Präsidenten Jürgen Lüthje vorgelegt. Es gebe genug Lücken und Grundstücksränder, um 91.600 Quadratmeter Nutzfläche zu schaffen.
Rund um das Geomatikum könnte ein fünfgeschossiger Neubau entstehen. Auch an der Ecke Sedanstraße/ Bundesstraße könnte neu gebaut werden. Ebenso wäre neben der Staatsbibliothek, an der Schlüterstraße und an der Grindelallee Platz.
Die Wissenschaftsbehörde hält Eimsbüttel für zu sehr verdichtet, um diese Flächen zu schaffen.

Sevecke zufolge braucht die Uni etwa 60.000 Quadratmeter zusätzlich, sagt Sevecke – „wir können ohne Probleme 115.000 Quadratmeter Hauptnutzfläche am Standort Rotherbaum schaffen“. Dies wäre in zwölf Jahren möglich und würde, großzügig gerechnet, 800 Millionen Euro kosten – die Hälfte dessen, was der zuletzt diskutierte Teilumzug von Wirtschafts- und Naturwissenschaften auf den Kleinen Grasbrook kosten würde.

Sevecke mischt die Debatte mit einem weiteren neuen Vorschlag auf. Die Uni könnte doch auch das direkt gegenüber dem Hauptgebäude liegende Congresscentrum (CCH) nutzen. Dieses, in den 1970er Jahren errichtet, sei unter „messebaulichen Gesichtspunkten völlig veraltet“, so Sevecke. Fände sich ein privater Investor, könnte der Kongressstandort an den Hafen verlegt werden. Ins alte CCH wiederum, das 20 Hörsäle beherbergt, ließe sich „wunderbar eine Mensa einbauen“.
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Die Idee sei nicht von ihm, erklärte Sevecke, mache aber deutlich, „was stadtentwicklungspolitisch noch geht“. Gundelach nannte den Vorschlag „suboptimal“ und bezweifelte, dass die Flächenzuwächse in Eimsbüttel realisierbar sind.

Quelle: http://www.taz.de/

Eins wird deutlich: An der Uni will keiner den Umzug.

Die Uni ist kein Spielball

KOMMENTAR VON KAIJA KUTTER

Die Abstimmung im Akademischen Senat (AS) macht eines deutlich, was zuvor schon Studierende und Fakultäten beschlossen hatten: An der Uni will keiner den Umzug. Mit ihrer Hilfe den Sprung über die Elbe zu schaffen, war eine pfiffige Idee des Senats, die nicht realitätstauglich ist.
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Die Uni-Angehörigen haben mit dem schwarz-grünen Senat eine Menge Geduld bewiesen. Seit zwei Jahren schwebt das Damoklesschwert des Umzugs über dieser Institution, die zuvor dank CDU-Hochschulgesetz auch in ihren inneren Strukturen beschädigt wurde. Zuletzt schien es, als würde es einen Teilumzug nur noch geben, damit die Senatorin ihr Gesicht wahren kann.

Dass sie jetzt der Universität Stillosigkeit vorwirft, ist politisch ungeschickt und zeugt von Dünnhäutigkeit. Sollte der neue Vorschlag des Senats wirklich gut sein und die Bedingungen für Lehre und Forschung standortnah verbessern, ließe sich das Gremium gewiss noch mal umstimmen. Ein AS-Beschluss ist nicht in Stein gemeißelt.
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So aber haben die Uni-Angehörigen gezeigt, dass sie einen Willen haben und nicht Spielball der Stadtentwicklung sein wollen. Der Senat hat lange an den Betroffenen vorbei agiert. Höchste Zeit, dass man miteinander redet und sich in die Pläne von Eimsbüttels Baulücken vertieft. Das Beispiel CCH zeigt: Umziehen können auch andere.

Quelle: http://www.taz.de/

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