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Dokumentiert: Proteste im Kontext der Premiere des AStA-Image-Films (Erklärung der GEW Studis)

4. Februar 2011

Die Proteste im Kontext der Premiere des AStA-Image-Films „Inside AStA – Anatomie einer nützlichen Einrichtung“ und einige Reaktionen darauf machen deutlich, dass es einigen Nachholbedarf in Sachen Beschäftigung mit Rassismus gibt.

Es ist ein Zeichen unglaublicher Ignoranz, wenn bei der Premiere des Films u.a. Kommiliton_innen, des „Black Students Network“, sich öffentlich äußern, dass sie sich von der Darstellung des Films diskriminiert und herabgewürdigt fühlen, der für den Film verantwortliche ‚weiße‘ AStA-Referent dies zwar als „legitim“ bezeichnet, in seinen gesamten Ausführungen dazu jedoch nicht ein einziges Mal eingeht.

Diese Haltung – die sich durch das Leugnen und Minimieren von rassistischen Diskriminierungserfahrungen in Kombination mit einer Umkehrung der Verantwortung an die Opfer auszeichnet – nennt Claus Melter „sekundären Rassismus“. „Beim sekundären Rassismus werden – ebenso wie beim sekundären Antisemitismus – offene Abwertungen vermieden und es wird keine Verantwortung für strukturelle, institutionelle, durch Individuen oder Gruppen ausgeübte sowie diskursive Diskriminierung übernommen. Das Ausmaß von Alltagsrassismus und die Bedeutung von Rassismuserfahrungen werden geleugnet oder infrage gestellt. Die SprecherInnen fühlen sich durch das Thema Rassismus indirekt oder direkt belästigt, sie setzen sich nicht aktiv mit ihm auseinander oder fühlen sich selbst angegriffen“ (Melter, 2007). Es kommt zu einer Täter_innen- Opfer_innen-Umkehrung in dem nicht die betroffenen Personen, als Opfer gesehen werden, sondern die Mehrheitsangehörigen und Institutionen, denen vermeintlich übertriebene Rassismusvorwürfe gemacht werden.

Aus den wenigen verfügbaren Stellungnahmen des AStA zu der Kritik am Image-Film wird jedenfalls deutlich, dass komplett verkannt wird, dass Rassismus ein gesamtgesellschaftliches Ungleichheitsverhältnis ist, dessen Existenz 1. NICHT davon abhängt, dass es von ‚Weißen‘ bewusst vertreten und propagiert wird und 2. auch in seiner Unkenntnis aktiv reproduziert werden kann.

Es ist zwar ein Skandal, dass ein dermaßen unreflektierter Film von der Studierendenvertretung der Uni Hamburg lanciert wird, letztlich spiegelt er jedoch den rassistischen Normalzustand unserer Gesellschaft wider. Vor dem Hintergrund der kolonialen Geschichte der Uni Hamburg bekommt das Ganze jedoch einen noch unangenehmeren Geschmack!!!

In diesem Zusammenhang möchten wir ein paar Textempfehlungen machen, die den Einstieg in eine Beschäftigung mit dem Thema Rassismus ermöglichen:

Eine sehr knappen Einstieg in die Beschäftigung mit dem Thema Rassismus ermöglicht das Interview mit Mark Terkessidis (Kölner Migrationsforscher, Psychologe und Autor ) zur Frage „Was ist Rassimus?“, S.13 im Reader zum Wochenendseminar zu antimuslimischem Rassismus

Sehr zu empfehlen sind auch die Materialien des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit in NRW zu Fragen der Geschichte des Rassismus und zu Rassismus heute.

Wer sich etwas mehr Zeit zum Lesen nehmen möchte, dem sei der Artikel „Was ist eigentlich Rassismus“ von Prof. Dr. Birgit Rommelspacher (Professorin für Psychologie mit dem Schwerpunkt Interkulturalität und Geschlechterstudien) empfohlen. Download: Birgit Rommelspacher – Was ist eigentlich Rassismus?

Und die Personen, die gar keine Lust haben Texte zu lesen hier ein paar youtube-Clip-Empfehlungen:

Re/Positionierung: Critical Whiteness/Perspectives of Color

Ein satirischer Clip von„der braune mob e.V.“ Deutschlands erste Schwarze media-watch-Organisation

Ein Vortrag von Dr. phil. Christine Morgenstern, Lehrbeauftragte an den FHs Wiesbaden und Frankfurt. „Was ist Rassismus – wem nutzt er?“

Quelle: GEW Studis

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